Asien gibt als Erstes nach, als der Schock im Nahen Osten die globale Rallye auf die Probe stellt

Wenn sich der Konflikt im Nahen Osten zuspitzt, richten sich die Blicke der Märkte normalerweise zuerst auf die Ölpreise. Dieses Mal gehören Bewegungen bei asiatischen Aktien und Währungen zu den ersten Anzeichen von Marktstress.
Da sich die US-israelischen Militärschläge gegen den Iran ausweiten und der Verkehr durch wichtige Schifffahrtswege am Golf gestört wird, sind die Preise für Öl und Gas sprunghaft angestiegen, globale Aktien haben nachgegeben, und Asien – das stark auf importierte Energie angewiesen ist – hat sich als einer der ersten Druckpunkte in der aktuellen Risk-off-Phase herauskristallisiert.
Öl, Gold und der Dollar reagieren auf Angebotsängste
Marktberichte zeigen, dass die Rohölpreise gestiegen sind, da der Konflikt die Versorgungsrouten durch die Straße von Hormus bedroht – einen Korridor, der typischerweise etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssigerdgasströme abwickelt. Analysten weisen darauf hin, dass Störungen und Umleitungen im Schiffsverkehr Bedenken hinsichtlich des Energievolumens aufkommen ließen, das die Weltmärkte erreicht, was zu einer deutlichen Neubewertung der Rohöl-Benchmarks führte.
Brent ist deutlich gegenüber den jüngsten Niveaus gestiegen, wobei die Bewegung vor allem durch Angebotsängste und weniger durch eine starke Nachfrage getrieben wurde. Kommentatoren fügen hinzu, dass anhaltende Energiepreisanstiege Unternehmen und Verbraucher belasten und den Inflationsdruck erhöhen können, was die Erwartungen an Zinssenkungen später im Jahr 2026 erschwert.
Gold und der US-Dollar haben defensive Zuflüsse angezogen. Daten vom Devisenmarkt zeigen, dass der Dollar fester geworden ist, da Anleger Liquidität suchen, während Gold mit erhöhter Volatilität gehandelt wurde, da die Märkte den Ausblick für Inflation und Geldpolitik neu bewerten.
Asiatische Aktien reagieren heftig
In ganz Asien haben die Aktienmärkte schnell auf den Energieschock reagiert. Regionale Benchmarks verzeichneten eine der schwächsten Zwei-Tages-Phasen seit Monaten, da die Risikobereitschaft nachließ.
Südkorea war besonders betroffen. Marktdaten zeigen, dass der KOSPI einen starken Tagesrückgang verzeichnete, da Anleger ihr Engagement bei Chipherstellern und anderen High-Beta-Aktien reduzierten. Auch die wichtigsten Indizes Japans haben einen Teil ihrer bisherigen Jahresgewinne im Zuge der allgemeinen regionalen Schwäche wieder abgegeben.
Strategen deuten an, dass die Reaktion die Sorge widerspiegelt, dass ein anhaltender Konflikt die Energieversorgung stören und das Wachstum in energieimportierenden Volkswirtschaften belasten könnte. Viele Länder der Region sind stark auf Öl und Gas angewiesen, das durch Hormus verschifft wird, und Schiffe meiden Berichten zufolge die Gegend aufgrund erhöhter Sicherheitsrisiken.
Die Sektorentwicklung spiegelt diese Belastungen wider. Fluggesellschaften, transportintensive Unternehmen und energieintensive Hersteller haben unterdurchschnittlich abgeschnitten, da die Märkte mit höheren Treibstoff- und Logistikkosten rechnen. Energieproduzenten hingegen haben sich meist besser gehalten, was zu Divergenzen innerhalb der heimischen Märkte führt.
Globale Märkte schalten in den Risk-off-Modus
Die Anpassung beschränkt sich nicht auf Asien. Globale Aktienindizes sind im Wochenverlauf gefallen, da höhere Ölpreise Inflations- und Margenängste schürten. Auch wichtige US- und europäische Benchmarks haben nachgegeben, da Anleger das Gleichgewicht zwischen Wachstumsresilienz und Kostendruck neu bewerten.
Am Devisenmarkt hat sich der Dollar-Index gestärkt, während mehrere risikosensitive Währungen nachgegeben haben. Marktteilnehmer merken an, dass der traditionelle Status des Yen als sicherer Hafen durch Japans Abhängigkeit von importiertem Treibstoff erschwert wird, was zu gemischten Strömen führt. Rohstoffgebundene und Schwellenländerwährungen standen angesichts der allgemeinen Risk-off-Stimmung unter Druck.
Die Märkte für Staatsanleihen spiegeln gegenläufige Kräfte wider. US Treasuries zogen zunächst als sicherer Hafen Nachfrage an und drückten die Renditen nach unten, bevor Sorgen über anhaltende Inflation weitere Gewinne begrenzten. Europäische Staatsanleihen zeigten ähnliche Volatilität, da Anleger überdenken, wie schnell die Zentralbanken die Geldpolitik lockern könnten, falls der energiegetriebene Preisdruck anhält.
Auch die Kreditmärkte deuten auf eine vorsichtigere Positionierung hin. Die Spreads von Unternehmensanleihen mit niedrigerem Rating haben sich im Vergleich zu den Vormonaten ausgeweitet, was Analysten als Zeichen dafür werten, dass Anleger in einem unsichereren makroökonomischen Umfeld eine höhere Risikoprämie verlangen.
Inflationsrisiken und der politische Ausblick
Der Zeitpunkt des Schocks ist bemerkenswert. Mehrere große Volkswirtschaften hatten zuletzt vorsichtige Anzeichen einer Stabilisierung gezeigt, mit einer Erholung der Industrieaktivität und einer nachlassenden Inflation in den vergangenen Quartalen. Ein erneuter Anstieg der Ölpreise könnte diesen Verlauf erschweren.
Ökonomen weisen darauf hin, dass eine längere Phase hoher Energiekosten die Inflationsprognosen nach oben treiben könnte. Sollte dies eintreten, könnten die Erwartungen für Zinssenkungen im Jahr 2026 im Vergleich zu früheren Markteinschätzungen überarbeitet oder verzögert werden.
Gleichzeitig unterstreicht der Rückgang der globalen Aktien – insbesondere in Asien – die Sorge, dass höhere Treibstoffkosten das Wachstum in den am stärksten von importierter Energie und Schifffahrtsstörungen betroffenen Volkswirtschaften dämpfen könnten. Die politischen Entscheidungsträger stehen daher möglicherweise erneut vor dem Zielkonflikt zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsförderung.
Warum die Reaktion Asiens wichtig ist
Die jüngsten Kursbewegungen deuten darauf hin, dass Asien als früher Stresspunkt fungiert, während die Spannungen im Nahen Osten auf die globalen Märkte übergreifen. Regionale Benchmarks sind stärker gefallen als viele ihrer Pendants, Öl- und Gaspreise sind sprunghaft gestiegen, der Dollar hat zugelegt und die Volatilität ist gestiegen, da Anleger sowohl Inflations- als auch Wachstumsaussichten neu bewerten.
Marktteilnehmer beobachten drei Variablen besonders genau: die Dauer der Schifffahrtsstörungen rund um den Golf, die Stabilität der Energiepreise und Signale der Zentralbanken, während sich die Inflationsrisiken weiterentwickeln. Wie sich diese Faktoren entwickeln, könnte darüber entscheiden, ob die aktuelle Anpassung begrenzt bleibt oder sich zu einem nachhaltigeren Test der breiteren globalen Rallye entwickelt, die zu Beginn des Jahres zu beobachten war.
Die angegebenen Wertentwicklungen beziehen sich auf die Vergangenheit. Die vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator und keine Garantie für künftige Ergebnisse.