Januar-FOMC: Warum erwartet wird, dass die Fed stillhält, während die Märkte nach vorne blicken

Die Federal Reserve wird heute voraussichtlich stillhalten, weil sie sich keine Bewegung leisten kann, sagen Analysten. Mit einer Inflation, die bei etwa 3 % stagniert, einer steigenden Arbeitslosigkeit und einem weit stärker als erwarteten Wirtschaftswachstum wird das FOMC-Treffen im Januar voraussichtlich eine Zinspause bringen, die eher Vorsicht als Zuversicht widerspiegelt. Die Märkte erwarten keine politischen Maßnahmen, beobachten jedoch genau, was Vorsitzender Jerome Powell über die nächste mögliche Bewegung sagt.
Die Terminmärkte preisen eine Wahrscheinlichkeit von etwa 97 % ein, dass die Zinssätze unverändert bleiben, wodurch sich die Aufmerksamkeit fest auf die zweite Hälfte des Jahres 2026 richtet.

Mit einem BIP-Wachstum von annualisiert 5,4 % und politischem Druck auf die Fed steht das heutige Treffen weniger im Zeichen der Zinssätze, sondern vielmehr im Fokus von Glaubwürdigkeit, Unabhängigkeit und Timing.
Was treibt die Entscheidung des Januar-FOMC an?
Die Entscheidung der Fed, heute stillzuhalten, beruht auf einer ungewöhnlichen wirtschaftlichen Spaltung. Die US-Wirtschaft wächst rasant, doch der Arbeitsmarkt kühlt ab, statt zu überhitzen. Die Arbeitslosigkeit ist auf 4,4 % gestiegen, während die Neueinstellungen in mehreren Sektoren zurückgegangen sind – das stellt die traditionelle Verbindung zwischen starkem Wachstum und Beschäftigungszuwachs infrage.

Gleichzeitig bleibt die Inflation unangenehm hoch. Die Verbraucherpreise sind wieder auf etwa 2,7–3,0 % gestiegen, deutlich über dem 2 %-Ziel der Fed. Ein wesentlicher Treiber waren Zölle, die laut Schätzungen des Yale Budget Lab den effektiven US-Zollsatz auf fast 17 % erhöht haben. Diese höheren Importkosten, die sich auf fast 30 Mrd. US-Dollar pro Monat belaufen, schlagen sich trotz der Bemühungen großer Unternehmen wie Walmart und Amazon, einen Teil der Auswirkungen abzufedern, auf die Einzelhandelspreise durch.
Diese Kombination bringt die Fed in eine Zwickmühle. Eine Zinssenkung birgt das Risiko, die Inflation wieder anzuheizen, gerade als der Preisdruck zunimmt. Das Beibehalten der Zinssätze birgt jedoch das Risiko, den Arbeitsmarkt weiter zu schwächen. Die heutige Entscheidung spiegelt die Einschätzung der Fed wider, dass die Inflationsrisiken weiterhin schwerer wiegen als die Wachstumsbedenken.
Warum das wichtig ist
Für die Entscheidungsträger unterstreicht das heutige Treffen, wie schmal der Pfad geworden ist. Das doppelte Mandat der Fed – stabile Preise und maximale Beschäftigung – zieht in entgegengesetzte Richtungen und zwingt die Verantwortlichen, die Inflationsbekämpfung zu priorisieren, auch wenn die Arbeitslosigkeit steigt. Diese Spannung erklärt, warum die heutige Erklärung voraussichtlich wenig Hinweise auf den Zeitpunkt künftiger Zinssenkungen geben wird.
Die Bank of America erwartet, dass Powell Geduld und Datenabhängigkeit betont, anstatt politische Kurswechsel anzudeuten. Der Fokus dürfte darauf liegen, ob die aktuelle Stärke des Wachstums einen höheren neutralen Zinssatz impliziert – eine Sichtweise, die es rechtfertigen würde, die Zinsen länger restriktiv zu halten. Auch der politische Kontext könnte stärker als sonst in den Vordergrund rücken, da die Fed vermeiden möchte, angesichts des wachsenden Drucks aus dem Weißen Haus als reaktiv zu erscheinen.
Auswirkungen auf Märkte, Kreditnehmer und Devisen
Für Haushalte und Unternehmen bedeutet eine pausierende Fed nur begrenzte Entlastung auf kurze Sicht. Zwar legt die Zentralbank die Hypotheken- oder Kreditzinsen nicht direkt fest, doch beeinflusst ihre Haltung die Treasury-Renditen, die den meisten Kreditkosten zugrunde liegen. Bei unveränderten Leitzinsen dürften die Kreditkosten für Hypotheken, Kreditkarten und Unternehmenskredite hoch bleiben.
An den Finanzmärkten hat sich die Aufmerksamkeit bereits über das heutige Treffen hinaus verlagert. Der US-Dollar hat sich abgeschwächt, der Dollar-Index ist in Richtung der Marke von 97 gefallen, da Händler eine künftige Lockerung einpreisen und auf US-Assets einen sogenannten „Governance Discount“ anwenden, wie einige Analysten es nennen.

Der Euro ist auf etwa 1,19 US-Dollar gestiegen, während das Pfund Sterling auf fast 1,37 US-Dollar zugelegt hat – gestützt von der Erwartung einer globalen sanften Landung. Die Gold-Rallye über 5.100 US-Dollar erzählt eine ähnliche Geschichte. Anstatt in unsicheren Zeiten in den Dollar zu flüchten, scheinen Anleger zunehmend von Sachwerten angezogen zu werden, da politische Spannungen das Vertrauen in die US-Geldpolitik trüben.
Expertenausblick: Worauf die Märkte wirklich warten
Die meisten Analysten sind sich einig, dass das heutige FOMC-Treffen eher ein Kontrollpunkt als ein Wendepunkt ist. Goldman Sachs erwartet, dass die Fed noch mehrere Monate stillhält und prognostiziert zwei Zinssenkungen im Jahr 2026, beginnend etwa im Juni. Auch Sam Stovall von CFRA teilt diese Ansicht und argumentiert, dass die Fed abwartet, bis die Inflation deutlichere Anzeichen einer Abschwächung zeigt, bevor sie handelt.
Die Politik erschwert jedoch den Ausblick. Die Amtszeit von Vorsitzendem Jerome Powell endet im Mai 2026, und die Märkte reagieren zunehmend sensibel auf das, was danach kommt. Rabobank hat das aktuelle Umfeld als das „Auge des Sturms“ bezeichnet und deutet an, dass die Erwartungen für eine Zinssenkung im Juni ebenso sehr mit möglichen Führungswechseln wie mit Wirtschaftsdaten verknüpft sind. Sollten die Märkte mit ihrer Erwartung einer künftig taubenhafteren Fed falsch liegen, könnte die Volatilität bei Anleihen, Aktien und Währungen stark ansteigen.
Fazit
Das heutige Januar-FOMC-Treffen bestätigt, dass die Federal Reserve Vorsicht über Überzeugung stellt. Da die Inflation weiterhin zu hoch und das Wachstum überraschend stark ist, sieht die Fed wenig Spielraum für Bewegung. Die Märkte blicken bereits über den heutigen Tag hinaus und konzentrieren sich auf Mitte 2026 sowie auf die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen, die die nächste Phase der Geldpolitik einleiten könnten. Was Powell jetzt sagt, könnte weniger wichtig sein als das, was sich in den kommenden Monaten ändert.
Die auf dem Deriv Blog enthaltenen Informationen dienen ausschließlich Bildungszwecken und stellen keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Die Informationen können veraltet sein, und einige erwähnte Produkte oder Plattformen werden möglicherweise nicht mehr angeboten. Wir empfehlen, vor Handelsentscheidungen eigene Recherchen durchzuführen.